Bevölkerungsprognosemodell

S&W verfügt über eine lange Erfahrung in der Entwicklung und Anwendung demografischer Prognosemodelle. So zählen Bevölkerungs- und Haushaltsprognosemodelle zu zentralen Komponenten dynamischer Raumentwicklungssimulationen wie im IRPUD- oder ILUMASS-Modell. Die demografischen Prognosemodelle von S&W werden kontinuierlich weiterentwickelt und an neue Rahmenbedingungen (z.B. Flüchtlingszuströme, COVID-19-Pandemie) angepasst.

Das  S&W-Bevölkerungsmodell  ist  ein  Kohorten-Komponenten-Modell mit deterministischem Prognoseansatz. Unter Berücksichtigung von empirisch ermittelten Annahmen zur natürlichen Bevölkerungsentwicklung und zum Wanderungsverhalten wird auf der räumlichen Ebene von Kreisen, Städten, Gemeinden oder Ortsteilen die Bevölkerung nach Altersjahrgängen und Geschlecht unterschieden bis zum vorgesehenen Zieljahr jährlich fortgeschrieben und vorausberechnet. Die zu wählenden Annahmen basieren im Sinne einer Status quo-Prognose insbesondere auf die Entwicklungen in den zurückliegenden Jahren (Stützzeitraum). Örtliche Sondereffekte oder vorhandene Flächenreserven können optional mitberücksichtigt werden. Es werden zumeist verschiedene Varianten der Bevölkerungsentwicklung berechnet. Die Ergebnisse werden anschaulich grafisch und kartografisch aufbereitet und i.d.R. in einem gut verständlichen Ergebnisbericht zusammenfasst.


Bevölkerungspyramide im Basisjahr (links) und im Prognosejahr (rechts)

Das wichtigste Element der Bevölkerungsprognose ist die Ausgangsbevölkerung im Basisjahr, welche aktuell, vollständig und fehlerfrei vorliegen sollte, um eine möglichst genaue Bevölkerungsfortschreibung zu gewährleisten. Das S&W-Bevölkerungsmodell ermöglicht eine sachliche Differenzierung der Bevölkerung nach Alter (100) und Geschlecht (2). Als Datengrundlage kommen entweder Fortschreibungsdaten aus der amtlichen Statistik oder Einwohnerdaten aus den Melderegistern der Kommunen in Betracht.

Die eigentliche Simulation der Bevölkerungsentwicklung erfolgt in jährlichen Schritten. Im Teilmodell „Natürliche Entwicklung“ werden die Bevölkerungskohorten entsprechend den getroffenen Annahmen über jahrgangsspezifische Fertilitäts- und Mortalitätsraten stromorientiert fortgeschrieben. Dabei werden die zu Beginn des jeweiligen Simulationsjahrs lebenden Personen mit ihren entsprechenden altersspezifischen Überlebenswahrscheinlichkeiten (1 - Sterbewahrscheinlichkeit) multipliziert. Die am Ende des Jahres noch lebenden Frauen in den fertilen Altersstufen werden mit den prognostizierten altersspezifischen Fertilitätsraten multipliziert, um die Zahl der Lebendgeborenen zu ermitteln. Diese werden dann um die zu erwartenden Säuglingssterbefälle vermindert, um dann am Ende des Simulationsjahrs der Bevölkerung als Gruppe der 0- bis unter 1-Jährigen hinzugefügt zu werden. Die Fertilitätsannahmen beruhen auf entsprechende statistische Auswertungen im Stützzeitraum. Es wird über den Prognosezeitraum i.d.R. von einer konstanten Fertilitätsrate ausgegangen, wobei das Alter der Mütter auch künftig weiterhin leicht ansteigen kann. Die Mortalitätsannahmen beruhen auf aktuellen statistischen Sterbetafeln. Es wird über den Prognosezeitraum i.d.R. von einem zu erwartenden leichten Anstieg der künftigen Lebenserwartung und einer weiteren Angleichung der Geschlechter ausgegangen.

Nach dem Durchlauf des Teilmodells „Natürliche Bevölkerungsentwicklung“ wird in jedem Simulationsjahr das Teilmodell „Wanderungen“ angewandt. In dem Teilmodell werden die alters- und geschlechtsspezifischen  Außen-  und  Binnenwanderungsbewegungen auf der Basis angenommener Wanderungswahrscheinlichkeiten simuliert. Das S&W-Bevölkerungsmodell erlaubt die Berechnung von Wanderungsbewegungen sowohl über Annahmen zu alters- und geschlechtsspezifischen Außen- und Binnenwanderungssalden als auch per stromorientierten Verteilungsansatz mit Annahmen zu alters- und geschlechtsspezifischen Außen- und Binnenfortzugsraten und -zuzugsquoten. Die Festlegung des Verfahrens erfolgt in Absprache mit dem Auftraggeber nach einer intensiven explorativen Datenanalyse der für den Stützzeitraum zur Verfügung stehenden Migrationsdaten.


Relative prognostizierte Bevölkerungsentwicklung in Varianten

Das Modul „Flächenreserve“ ist optionaler Bestandteil des Teilmodells „Wanderungen“. Es bewirkt, dass in jedem einzelnen Simulationsjahr die noch vorhandenen Wohnbaukapazitäten fortgeschrieben und mitberücksichtigt werden. Insbesondere in stark wachsenden Städten und Gemeinden ohne große Baulandreserven im Außenbereich (Nachverdichtungspotenziale sind im Grundmodell integriert) kann dies im Fall einer Annäherung an die Kapazitätsgrenze oder ihrer Überschreitung zu Anpassungen der Wanderungsannahmen und einer Einschränkungen weiterer Zuzüge führen.